Bitterstoff, Blog | Friday 06.05.2022

Abenteuer Hallertau
Ein Buchtipp.

Ein schönes Buch. So ein schönes Buch. Ehrlich wahr.

Michael Urban und Tobias Rossmann haben es geschrieben, fotografiert, ausgedacht, selbst erlebt. „Micro Adventures“ nennen sie auf Neudeutsch, was sie den Lesern nahebringen wollen, nach dem Erfinder dieses Begriffes, dem Briten Alastair Humphreys. Micro Adventures, das bedeutet so viel wie: rausgehen, Augen aufmachen, kreativ sein, die wunderbaren Dinge vor der Haustür entdecken, dabei den ganzen Körper einsetzen und dadurch letzten Endes auch den Geist befreien. Kommt einem auf den ersten Blick bekannt vor. Begriffe wie Entschleunigung, Ökologie, Nachhaltigkeit ploppen im Hinterkopf auf. Hier kommen sie aber fern jedweder Ideologie oder Naturkitsch daher. Und die Umsetzung ist so erfrischend locker und sympathisch, dass einem schon beim Lesen das Herz aufgeht. Was wird einem da wohl erst widerfahren, wenn man sich selbst ins Mikroabenteuer stürzt.

Wenn sich die beiden selber in die Nähe von Hobbits rücken, meinen sie damit weniger große Füße oder Lust auf zweites Frühstück. Sie nehmen relativ direkt Bezug auf die klassische Heldenreise, die ja bekanntlich auch immer eine Reise ins eigene Ich ist und am Ende stets gewandelte, verfeinerte Held/innen hervorbringt. Deswegen muss die Tour auch gar nicht unbedingt eine gewaltige Odyssee sein, es reicht auch eine Fünf-Stunden-Walz ins nahe Römerkastell (Eining), zur nächsten Oase (Steinerskirchen) oder auf den höchsten Gipfel der Umgebung (in Osseltshausen).

Umschlag des Buches "Abenteuer Hallertau"

Und so machten sich Sir Toby und Ritter Mike auf ins verwunschene Land das da heißt Hallertau oder Holl-ed-Au, wie es die Alten nannten, und lernten auf ihrer Reise zahlreiche freundliche Gesellen kennen, wie die Wirtin vom Seidlbräu, Konrad den Hopfen-Altmeister oder den weisen Franz, den Stiglmaier. Sie begegneten dem Herrn der Glühwürmchen, berieten sich mit dem Mondvogel, folgten der Legende des Kaisermantels, machten sich auf die Suche nach dem geheimnisvollen Knabenkraut, entkamen der grausigen Beißschrecke, betäubten sich am Duft des würzigen Humulus.

Im Land der Baumwesen unter seinem Schultheiß, dem knorrigen Sir Andy Oaksworthy, lösten sie das Rätsel der 12 Jahreszeiten. Im Labyrinth der gestängten Gärten kam ihnen der Riese Mathias zu Hilfe, der ein gebratenes Schwein inklusive 77 Riesenknödeln in einem Satz verschlingen kann. Im Reich der magischen Pferde verfielen sie den Reizen der glutäugigen Rusalka. Und wenn es einmal gar nicht mehr weitergehen wollte, eilten kurzerhand die lieblichen Feen Annaschön und El-Ena herbei und halfen unseren Helden aus der Patsche, damit sie nicht in den eisigen Auen des Hopfenlandes einen bitteren Tod erleiden mussten. Oder jedenfalls eine Erkältung. So oder so ähnlich.

Besonders wunderbar ist, dass die beiden Mikroabenteurer nicht nur leidenschaftliche Naturliebhaber und belesene Textkönner sind, sondern auch großartige Fotografen mit einem feinen Blick für Reizendes und Schräges und den Zauber des Augenblicks. Obwohl nur gut 200 Seiten dick, ist das Buch vollgepackt mit Informationen und haufenweise Fotoperlen, die alle für sich schon kleine, zauberhafte Geschichten erzählen und sofort die Phantasie anregen. Eine Mischung aus Wanderführer, Fotoband, Abenteuergeschichte, Tagebuch, Ideensammlung.

Und das wirklich absolut Wunderbare ist, dass Mike Urban und Tobi Rossmann all die Schönheiten nicht in den ewig gleichen Must-See-Gegenden aus der Tripadvisor-Rangliste entdecken, sondern vor ihrer Haustür, eben in der Hallertau. Ausgerechnet die Hallertau möchte man sagen, die man ja schnell mal mit Agrarindustrie, hoher SUV-Dichte und zubetonierten Flusstälern assoziiert. Wer das Gegenteil erleben will, der lese dieses Buch. Und wandere los.

Hab´ ich es schon erwähnt? Ein wirklich schönes Buch.

Michael Urban & Tobias Rossmann: Abenteuer Hallertau. Micro Adventures im Hopfenland. 216 Seiten, broschiert, Süd-Ost-Verlag, ISBN 978-3-95587-794-1, Preis: 19,90 EUR.

Wer das Buch kaufen möchte, muss übrigens nicht bis zum Amazonas. Man kriegt es zum Beispiel bei uns im Museumsshop, sogar am Sonntag: Di-So, 10-17 Uhr.

Oder bei Frau Kawasch in der Marktbuchhandlung Wolnzach, auch am Montag.

Alternativ unter www.hopfenshop.de , hier 24/7.